Ich

Betancor

Musikerin und Dichterin, bekannt als die Popette, geboren als Susana Betancor Keins in Neuwied, aufgewachsen in Essen, paritätisch veranlagt, non-binär.
Klavierunterricht mit 5 Jahren, danach Klarinette, Trompete, Saxofon. Studierte einige Semester Musik und Literaturwissenschaften an der Universität Essen, Gesang bei Annemarie Steffens-Fairhurst, spielte in diversen Big Bands, im eigenen Quartett „Avocado“ und mit Helge Schneiders Muttertag Five.
Verschrieb sich dem Musiktheater, konzentrierte sich aufs Song schreiben und Band-leaden, experimentierte mit Gleichgesinnten u.a. Cora Frost, Lychee Lassi, Dirk Berger, David Moss, Clara Haberkamp.
Absolvierte ein Spezialisierungsstudium zeitgenössische Komposition bei Dieter Ammann an der Hochschule Luzern und sitzt seitdem noch bequemer zwischen den Stühlen. Seit 2019 Zusammenarbeit mit Uschi Brüning, Christian Von Der Goltz, Martin Klingeberg, seit 2021 mit Clara Haberkamp und Natascha Zickerick.

Zentrum ihres Schaffens ist Lied, Komposition und Improvisation als gesamtkünstlerischer Ausdruck in Wort und Ton.


Preise, Auszeichnungen, Ehrenämter

Prix Pantheon – 1997
Deutscher Kleinkunstpreis – Chanson – 1998
Mit-Gewinnerin des interdisziplinären Realisierungswettbewerbs operare08; der Zeitgenössischen Oper Berlin, finanziert von der Kulturstiftung des Bundes – 2008
Fördermittel der inm für “Betancor macht Songfest 10/09” – 2009
Fördermittel des Regierenden Bürgermeistern von Berlin – Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten für “Betancor macht Songfest 11/10” – 2010
Lehrauftrag für Liedvortrag an der HfS Ernst Busch, Abteilung zeitgenössisches Puppenspiel – 2012/13
Lehrauftrag für Bühnenlied an der UdK Berlin, Abteilung Schauspiel – 2014/15 und 2021
Förderung des Albums „Mein Herz will sich schlagen“ durch den Deutschen Komponisten Verband – 2014
CAS Komposition an der Hochschule Luzern 2016/17


CDs + Bücher

Privat ist modern / Songs mit Musik – 1994 (vielliebrecords)
Platzkonzert – 10/1997 (roofmusic)
Diva gut – 3/1999, Soundtrack zum Theaterstück im Hebbel-Theater, Berlin (vielliebrecords)
Damenbart – 10/2000 (roofmusic)
Damenbart – Roman, Eichborn Verlag Berlin 2000
Ortrud Beginnen – 2003 (roofmusic)
hispanoid – 3/2006 (traumton)
kein Island – 2/2012 (kurtmusik/popappeal)
Mein Herz will sich schlagen – 2015 (kurtmusik)
Ich Mein Dich – 2020 (kurtmusik)


Programmkonzerte + Themenabende:

Privat ist modern – (mit Neuwirth, Nickola, Hannan/Hammermüller) 1994
Im Aussendienst – (mit Neuwirth, Nickola, Hammermüller) 1996
Solo für Arme – 1997
Damenbart – 1999
In Djiens (mit Lychee Lassi) – 2000
Sitzclub – 2001
Ich ging kurz raus und war nie weg wer bleibt versaut sich das comeback (mit Kalle Mews und Buddy Casino) – 2003
Hispanoid – (mit Berger, Halberschmidt, Mews/Bauer) 2005
WURST – (mit Berger, Henze, Bauer) 2008
öfter mal vom Boden essen – (mit Berger & Bauer) 2010
kein Island – (mit Berger & Bauer) ab 2012
Betancor singt Betancor – (mit Berger & Haberkamp) 2014
Mein Herz will sich schlagen –  (mit Haberkamp) 2015
Ich Mein Dich – (mit Brüning, Von Der Goltz, Klingeberg) 2019
Songs in Beige – (mit Haberkamp und Zickerick) 2021


Pressemeinungen

Aus der Popette, die vor 30 Jahren in ihrem ersten Bühnenprogramm in der Bar jeder Vernunft aus Privat Modern machte, ist eine Hohepriesterin des skurrilen Kunstlieds geworden. Bestechende Variationen in Beige legt sie mit Clara Haberkamp an den Tasten und Natascha Zickerick an der Tuba auf: Heillose Stoßseufzer in haltlosen Zeiten.
RBB 31.1.22

Als dann aber im März 2019 die von Betancor »ins Deutsche verschobenen« Jazzstandards im Berliner Jazzclub »B-flat« ihre Premiere feierten, waren sich viele Langzeitbeobachter*innen (von Uschi Brüning) einig, dass sich hier ein Traumteam gefunden hat. Zumal dem Gesangsduo mit dem Krummhornspieler Martin Klingeberg und dem Pianisten Christian von der Goltz äußerst einfühlsame Begleiter zur Seite stehen. Inzwischen gehört »Ich mein dich – Jazzstandards Germanized« zum Repertoire der Wilmersdorfer »Bar jeder Vernunft«, wo sich die Kombination aus Wortwitz, anregender Jazzgeschichte und belebender Situationskomik (wenn etwa Betancor nach einem Solostück laut »Ursula, Ursula!« rufen muss, um ihre Kollegin an ihren Auftritt zu erinnern) großer Beliebtheit erfreut. Und seit einem Jahr lassen sich die kongenial-freien Adaptionen von u. a. gleich drei Thelonious-Monk-Nummern (darunter das Titelstück), Matt Dennis’ »Angel Eyes« (Ella Fitzgeralds Lieblingslied) und Billy Strayhorns »A Flower Is a Lovesome Thing« nicht nur auf den Plattenteller legen, sondern auch auf dem Cover nachlesen. »Die Blume küsst den Schmetterling / Der Nacht um Nächte an ihr hing / Mal pelzig und mal glatt / die Blüte und das Blatt«: So sinnlich klingt Strayhorns Ballade in Betancors Worten, und Brünings Interpretation braucht auch hier den Vergleich mit Vorreiterinnen wie der legendären Monk-Interpretin Carmen McRae nicht zu scheuen!
Junge Welt 22.10.2021

Und weil keine der beiden Brillenträgerinnen, die eine im Osten, die andere im Westen, in Richtung Mainstream geschielt that, können sie beide auch auf eine eingeschworene Fangemeinde bauen. Uschi Brüning, 1947 in Leipzig geboren, ist eine unverstellte Frau mit einer ewig jungen Stimme und traumwandlerisch perfekter Intonation und einem Jazzgesang, der direkt aus dem Herzen kommt. Susanne Betancor, 1964 im Ruhrgebiet geboren, treibt dagegen ein theatralisches, burleskes Naturelle an, und ein launiger, intellektueller Schalk. (…) Die Texte für ihre zeitgenössischen Kunstlieder stellt sie selbst her. Die Charaktere der beiden Jazzerinnen wachsen an diesem Abend (…) zusammen – so wie drei Jahrzehnten Ost und West: Also nicht nahtlos, sondern mit interessanten Scharten. (…) Ohne Schlagzeug kommen Blues und Swing noch üppiger und urwüchsiger zur Geltung. (…) Ein grandioser, weil riskanter Abend.
Märkische Allgemeine vom 17. August 2019

Die eine ist eine Jazz-Legende, die andere Komponistin, Dichterin und Sängerin, die mit dem Kammerpop einst ein eigenes Genre schuf. die Rede ist von Uschi Brüning und Susanne Betancor. Jetzt haben die beiden ein Projekt, das nicht nur eingefleischte Jazz-Fans aufhorchen lässt. Mit ihrem Programm „Ich mein dich – Jazzstandards Germanized“ bringen sie Klassiker von Miles Davis, Charly Parker, Thelonious Monk mit deutschen Texten auf die Bühne. Kompositionen im Spannungsfeld zwischen Bebop und Swing. (…) ein Blick auf die exzellente Songauswahl ihres Programms verrät: Da sind zwei, die machen keine halben Sachen. (…) Die beiden haben keine Angst vor langsamen Tempi.
Berliner Morgenpost, 16. August 2019

Susanne Betancor hat dem Kunstlied wieder zu Geltung verholfen. Sie hat ihm mit ihren humorvoll-hintergründigen, verspielt-absurden Texten einen eigene Stempel aufgedrückt.
Berlin1 vom 14. November 2013

“Polytonaler Kammerpop” so ordnet sie selbst ihn ein, ihren Mix aus nahezu dadaistischen, ineinanderfließenden Wortspielen und knappen Alltagsbeobachtungen. Sie singt ihren rumpelig-flotten Song “Öfter mal vom Boden essen” und anschließend ihren Hit “Tauben grillen im Park”, ihre Hommage an den großen Georg Kreissler: “Tauben grillen im Park/ ich mag so gerne, wie das riecht/ wenn die Taube dann nicht mehr fliecht.” Das ist musikalisches Kabarett frei von schenkelklopfenden Allerweltswitzen, dafür mit einer ordentlichen Dosis Kunst angereichert, also das ist schon eine schöne, kluge Sache.
Die Welt, Hamburg vom 18. Juni 2012

Die Popette gilt als Meisterin der absurd mäandernden Redeflüsse, die pointiert sind, aber keine Pointe brauchen. Als virtuose Beobachterin eines Alltags, dessen Aussehen sie mal als „beige, mit Troddeln dran“, beschrieben hat. Was natürlich richtig ist: dass sie über Magerquark und Leergut singen kann wie andere über Sonnenuntergänge und Bergseen. (…) Es ist ein bestürmend schönes Album geworden, wundervoll changierend zwischen Melancholie und Knalltütenheiterkeit, um einen Betancor-Begriff zu leihen, in seinen Tempi- und Temperamentwechseln so ausgefeilt, dass man wirklich nicht überrascht ist, wenn die Künstlerin erzählt, sie habe jahrelang hauptberuflich Musik gehört und mehr davon im Kopf als auf einen großen iPod passe.
Der Tagesspiegel vom 24. Januar 2012

Kein Island ist ihr auch rundum gelungen. Insbesondere für diejenigen, die, sagen wir mal, eher ungewöhnliche Texte mögen. Und davon hat Betancor jede Menge zu bieten: „Weiß nicht, aber jemand randaliert in meinem Gehirn / Räumt ständig um, verkabelt neu, schickt mich zum kopier’n” heißt es in da in einem Lied und „Ich wär so gerne wieder da, wo ich herkäme / Würde lieber wieder bleiben, wo ich war” in einem anderen. Selbst nach mehrmaligem Hören entdeckt man immer wieder neue Sprachspielereien in den Stücken der Wahl-Berlinerin. Wohltuend auch die kongeniale Symbiose von intelligentem Humor mit Jazz- und Blueselementen, für die sich neben der Protagonistin (Piano & Trompete) insbesondere Dirk Berger (Gitarre) und Joe Bauer (Perkussion) verantwortlich zeichnen und die der Platte das gewisse Etwas verleihen.
Wie war doch im Begleitschreiben dieser CD zu lesen? „Dies ist meine neueste Veröffentlichung. Fast 51 Minuten exquisit polytonaler Kammerpop by Betancor in Deutsch. Und nicht nur, dass ich stolz bin und mich freue, ich bin auch überzeugt, dass diese Platte gelungen ist, wertvoll und Freude transportiert.” Dem will ich nicht widersprechen. Im Gegenteil.
Liederbestenliste, CD-Empfehlung vom Januar 2012

Betancor, die singende Poetin, Live-Spektakel und noch so vieles mehr ist, hat mit “Kein Island” ein ganzes Album mit Jazz-Balladen gefüllt. Gelungen sind ihr und ihrer Band schönste heiter-melancholische Melodien, die die Texte gekonnt vor sich hertreiben. Kleine Beobachtungen finden Platz neben großen Gedanken, das Ganze ist ein Genuss.
AVIVA Berlin vom 19. Januar 2012

Singen in der Wählergunst – Meisterin der Improvisation: Letzte Sitzdisko mit der Popette Betancor in der Schwankhalle Die Sitzdisko war ein neues Format, das die Schwankhalle mit der Komödiantin, Sängerin, Songschreiberin und Pianistin Susanne Betancor ausprobiert hat. Ein ungemein komisches Format bei dem die Betancor sowohl auf erwartete als auch auf unerwartete Gäste traf – und sich irgendwie durch den Abend hangeln musste…diese Reihe, in der das Unperfekte, Zufällige und Improvisierte zur Kunst erhoben wurde…ganz ohne Gäste endet aber auch dieser wunderbare Abend nicht…
Weser Kurier vom 30. Mai 2011

Rinke-Fragebogen: Diesen Fragebogen hätte auch Marcel Proust gleich zwei Mal ausgefüllt. Für die SPIELZEIT hat der Dramatiker Moritz Rinke brandneue Fragen erdacht. Diesmal antwortet Susanne Betancor // Bei Kartoffelpü mit Klops werde ich schwach…
Der Tagesspiegel vom 28. Oktober 2010

Es ist die Trivialität des alltäglichen Lebens, dem die Künstlerin virtuos auf der Spur ist und die sie entblößt, ohne sie lächerlich zu machen.
Nordbayerischer Kurier vom 23. Juli 2007

Die Künstlerin erweist sich als bemerkenswerte Komponistin und Musikerin, deren Spektrum vom Flamenco bis zum Freejazz reicht, spielt selbst Klavier und Trompete. (…) Die Popette beherrscht die hohe Schule der musikalischen Verkleidung und verquickt die deutsche Querdenkerei zu einem diabolischen Cocktail von unverhohlener Selbstironie und Alltags-beobachtungen.
Bayerische Rundschau, vom 24. Juli 2007

Es gibt sie noch, jene Künstler, die die Tragik der Spaßgesellschaft erkannt haben und ihr auf der Bühne zu trotzen versuchen.
Hamburger Abendblatt, 6. Oktober 2005

Und wie wunderbar kann sie singen!
Die Welt, 07. November 2002, Kai Lührs-Kaiser

Ihr Ton ist ein ganz eigener, einer des leisen Widerstands gegen den Rest der Welt. Und, wie bei allen guten Chansons steckt auch bei Popette Betancor in fast jedem Lied eine kleine zerbrochene Welt.
Der Tagesspiegel, 31. August 2001, Jörg Königsdorf

Niemand erzählt komische Geschichten so komisch wie die Popette. Sie improvisiert, rechte Hand am Klavier, linke an der Trompete, singt von Ommas Tauben, reißt hinterhältige Witzchen und wackelt mit den viel zitierten Augenbrauen in alle Richtungen – Einzigartig!
die tageszeitung, 2001, Jenni Zylka

Angst vor Feinden kennt sie nicht. Ihre musikalische Raffinesse schützt sie wie eine kugelsichere Weste. (…) … und wenn irgendwann einmal beispielhafte Hervorbringungen der Erdenbewohner in den Äther geschossen werden: Ihr Werk wird dabei sein.
Bonner Generalanzeiger, 07. Oktober 2000, Wolfgang Schlüter

Die Betancor elektrisiert mit ihrer intelligenten, subtilen Kunst – eine gewitzte Poetin am Piano, die mit Sezierblick die Absurdität von Denken und Tun freilegt. Eine raffinierte Entertainerin von ganz spezieller Klasse. Hamburger Abendblatt, 1997

Bildlich gesprochen knallt Kunst ungebremst auf die Fresse.
Weser Kurier, 1995, C. Emigholz